Leben und Überleben

Das Besserwisser-Glossar


Was ist der Unterschied zwischen einer Website und einer Homepage?

Keiner, glauben viele Menschen. Sie verwenden die beiden Worte synonym, wenn sie die Präsenz einer Person, Institution oder Firma im Netz meinen. In 95 Prozent aller Fälle wird Homepage falsch oder nur zufällig richtig verwendet. Die Homepage ist die Startseite einer Website, und damit ein kleiner Teil ebendieser (die klassisch gebildeten Humanisten werden an diesem Punkt einwenden, dass Homepage damit als pars pro toto eine korrekte Beschreibung einer Website ist. Stimmt, ihr Streber. Lest jetzt Ovids Metamorphosen weiter.). Wenn Sie im Browser beispielsweise davidbauer.ch eintippen (was eine besonders gute Idee ist – denn das sollten Sie wirklich mal tun), landen Sie auf einer Homepage und somit auch auf einer Website. Sobald Sie sich aber weiter durch meine Web-Präsenz klicken, verlassen Sie die Homepage und bewegen sich auf der Website. Via Google findet man eine ganze Reihe von Anbietern, die einem für wenig Geld eine eigene Homepage offerieren. Wie ein Immobilienmakler, der Ihnen verspricht, den Traum von der eigenen Haustüre wahr zu machen.

Für Streber: Ebenfalls gerne verwendet wird das Wort Webseite, das zwar nur eine halbe Übersetzung von Website ist, dafür ganz falsch. Denn das Site in Web-site meint eben gerade nicht eine einzelne Seite (wie in Home-page), sondern wörtlich ein Gelände.

Was ist der Unterschied zwischen dem Internet und dem World Wide Web?

Noch so ein Pars-pro-Toto-Problem. Wir meinen meistens das World Wide Web, wenn wir sagen: «Ich gehe ins Internet.» Das Internet indes ist viel grösser als das WWW – und existiert auch schon deutlich länger (seine Ursprünge, dies kurz dazwischenkluggeschissen, gehen bis 1969 zurück, das WWW entstand erst vor zwanzig Jahren). Das Internet bezeichnet die gesamte Infrastruktur, die durch die weltweite Vernetzung von Computern und Servern entstanden ist. Typische Anwendungen des Internet sind E-Mail, Internettelefonie, Filesharing – und eben das WWW. Dieses bezeichnet die Gesamtheit alles Websites (nicht Homepages, wir erinnern uns) und aus Nutzersicht all das, was im Browser stattfindet (falls Sie nicht wissen, was ein Browser ist, dann ist es in Ihrem Fall dieser Internet Explorer. Der insofern ein Etikettenschwindel ist, als Sie mit ihm eben gerade nicht das Internet, sondern nur das WWW erkunden können). Zur Verwirrung trägt die deutsche Sprache bei, die beides jeweils zum «Netz» verkürzt. Das Web ist zu Deutsch damit ein Netz im grösseren Netz namens Internet. Wer es einfach haben will, spricht also konsequent deutsch vom Netz und kaschiert, dass er nicht so richtig weiss, welches von beiden nun gemeint ist.

Für Streber: Vorsicht bei der Ricola-Adaption auf das Netz. «Wer hat’s erfunden? – die Schweizer» gilt nicht für das Internet. Beim World Wide Web kann man immerhin sagen, dass es in der Schweiz erfunden wurde. Vom britischen Informatiker Tim Berners-Lee am CERN in Genf.

Was ist der Unterschied zwischen einem Virus und einem Wurm?

Wie im eigenen Körper sind Viren und Würmer auf dem Computer beide unwillkommene Gäste. Sie nisten sich im System ein und tun Dinge, die der Nutzer nicht will, und können, je nachdem, zu welchem Zweck sie programmiert wurden, mittleren bis grossen Schaden anrichten. Doch nur weil beide ärgerlich sind und Ähnliches anrichten, heisst das natürlich nicht, dass der Klugscheisser von Welt sie nicht zu unterscheiden weiss. Viren und Würmer funktionieren grundlegend verschieden. Der Virus ist ein Programm, das sich an andere Dateien und Programme anhängt, so dass er ebenfalls gestartet wird, wenn das Programm, der Wirt, ausgeführt wird. Damit der Virus arbeiten und sich weiter verbreiten kann, ist er damit immer auf die Hilfe eines Computernutzers angewiesen, der ein infiziertes Programm startet (etwa eine lustige Powerpoint-Präsentation im E-Mail-Anhang oder das vermeintliche Sextape von Paris Hilton aus einer Tauschbörse). Der Wurm dagegen windet sich von alleine in fremde Systeme. Er sucht sich Sicherheitslücken in Netzwerken oder Betriebssystemen, durch die er unbemerkt hineinkriechen kann. Entsprechend unterschiedlich schützt man sich vor Viren und Würmern. Würmer können mit einem dichten Firewall ferngehalten werden, Viren mit Vorsicht beim Öffnen von fremden Dateien und einem Antivirenprogramm.

Für Streber: Der Trojaner, den es ebenfalls von Viren und Würmern zu unterscheiden gilt, ist eine verkehrte Metapher. Der Trojaner ist ein scheinbar nützliches Programm, das aber im Hintergrund Funktionen ausführt, die dem Nutzer verborgen bleiben und schädlich sein können. In der griechischen Mythologie dagegen sind die Trojaner nirgendwo eingedrungen, im Gegenteil: Die Griechen haben mithilfe des Trojanischen Pferds die Trojaner besiegt.

Kurzbefehl von David BauerSie lesen einen Auszug aus dem Buch «Kurzbefehl. Der Kompass für das digitale Leben.» von David Bauer. Sie können das Buch jetzt bestellen, weiterstöbern, diesen Text kommentieren oder selber eine Frage zum digitalen Leben stellen. Ah ja, und via Facebook weiterempfehlen dürfen Sie es auch gerne.

Was ist der Unterschied zwischen Spam und Scam?

Nun, ein Buchstabe. Und die Tatsache, dass Scam Betrug bedeutet, Spam dagegen gewürzter Schinken. In der Online-Welt, der beide Begriffe ihre Bekanntheit schulden, sind Spam und Scam zunächst einmal beides Nachrichten von unbekannten Absendern, die unaufgefordert im Posteingang landen. Während Spam der Verbreitung von Werbebotschaften (und von Poesie, siehe: «Warum verschwindet Spam eigentlich nie?») dient, verfolgt Scam eindeutig betrügerische Absichten. In aller Regel hat ein nigerianischer Buchhalter auf einem Konto mehrere Millionen Dollar entdeckt, die er freundlicherweise ausgerechnet mit dem Mailempfänger teilen möchte – sofern dieser ihm ein paar tausend Dollar vorschiesst, damit er alles Nötige in die Wege leiten kann. Die Differenzierung zwischen Spam und Scam sollte freilich niemanden dazu verleiten, in Russland V1a9ra zu bestellen, mit der Überzeugung, dabei nicht betrogen zu werden.

Für Streber: Besonders Gewiefte haben sich einen Sport daraus gemacht, den Spiess bei Scam-Mails umzudrehen. Bei der als «scam baiting» (bait = Köder) bekannten Methode gibt sich der Empfänger von Scam als leichtgläubiger Interessent und damit potenzielles Opfer aus. Hat er sich das Vertrauen des «scammers» erschlichen, versucht er seinerseits, diesen mit windigen Argumenten zu einer Vorabzahlung zu bewegen.

Was ist der Unterschied zwischen WLAN und Wi-Fi?

Gäbe es Wi-Fi nicht, hätte WLAN heute vermutlich ein Problem. Gemeinhin werden beide Begriffe verwendet, um ein drahtloses Netz zu beschreiben, das Computern und anderen Geräten Zugang zum Internet ermöglicht. Tatsächlich trifft dies aber nur auf das WLAN, kurz für Wireless Local Area Network, zu. Wi-Fi dagegen ist ein Zertifikat, das bestätigt, dass ein bestimmtes Produkt dem IEEE-802.11-Standard für die Kommunikation in Funknetzwerken entspricht. Vergeben wird das Zertifikat von der Wi-Fi Alliance, der alle grossen Computer- und Handyhersteller sowie viele Mobilfunkanbieter angeschlossen sind. Der Käufer erhält so eine Garantie, dass sein Gerät mit allen üblichen WLANs funktioniert.

Für Streber: Der Begriff Wi-Fi wird von vielen so interpretiert, dass er die Abkürzung von Wireless Fidelity sei, angelehnt an High Fidelity, den Qualitätsstandard bei Stereoanlagen. Tatsächlich steht der Begriff für gar nichts, ist ein reiner Kunstbegriff. Erfunden hat ihn die Branding-Agentur Interbrand im Auftrag der Wi-Fi Alliance, die damals natürlich noch anders hiess, nämlich Wireless Ethernet Compatibility Alliance.

Was ist der Unterschied zwischen einer Domain und einer URL?

Viele Menschen kommen gar nicht dazu, die beiden Begriffe durcheinanderzubringen. Denn was da oben im Browserfenster steht, das ist doch einfach die Internetadresse. Korrekt gesprochen handelt es sich bei dieser Adresse um die URL, kurz für Uniform Resource Locator, sie verortet einen Inhalt exakt im Internet, damit der Computer weiss, was er aufrufen soll. http://www.davidbauer.ch/about ist eine URL. Entfernt man den Hinweis auf das Netzwerkprotokoll (http://) und das Unterverzeichnis (about), so bleibt die Domain übrig. Sie verortet einen einzelnen Rechner im Internet. Die Domain ihrerseits ist hierarchisch gegliedert, von rechts nach links. Die Top-Level-Domain (.ch im Beispiel) sorgt für die Kategorisierung auf oberster Ebene (nach Land beispielsweise oder nach Art des Betreibers wie .com für Firmen und .org für nichtkommerzielle Organisationen). Die Second-Level-Domain (davidbauer) kennzeichnet normalerweise den Betreiber des Angebots. Weiter links lassen sich Domains mit sogenannten Subdomains beliebig lang erweitern, wobei www. mit Abstand am häufigsten vorkommt und andeutet, dass es sich beim Angebot um eine Website handelt (die Subdomain mail. dagegen weist beispielsweise auf einen Mailserver hin, en. oft auf die englische Übersetzung einer anderssprachigen Website).

Für Streber: Die Zahl der Top-Level-Domains wurde im Laufe der Zeit stets erweitert. So gibt es heute beispielsweise .mil für militärische Einrichtungen in den USA, .cat für Websites, die der Förderung der katalanischen Sprache dienen, oder .museum für, nun ja, Museen. Gleichzeitig haben verschiedene kleine Länder ihre Kennzeichnung zweckentfremdet und entsprechend vermarktet, etwa Tuvalu (.tv) für Fernsehstationen, die Föderierten Nationen von Mikronesien (.fm) für Radiostationen oder Laos (.la) für Angebote aus Los Angeles.

> Zum Inhaltsverzeichnis

Diskussion

  1. 1 Gabriel
    26.10.2010, 21:03 Uhr, Link

    eine schöne homepage haste da!
    denn, seien wir mal ehrlich, es geht nicht um pars pro toto. das wort ist längst umgangssprache für ganze websites (findet auch wikipedia). die englische wikipedia liefert gar den (möglichen) grund, warum es dazu kam: sie verortet die verwendung von homepage als pars pro toto in den 1990er-jahren, als viele seiten eben wirklich nur aus einer seite bestanden (womit sich vielleicht auch gleich das wort webseite erklären und rechtfertigen liesse). insofern kann man „homepage“ getrost stolz verwenden, zeigt es doch vielleicht auch, dass man von anfang an mit 3,6kbps fiepend dabei war.
    so, genug kluggeschissen für heute, i need some red wine.

  2. 2 emily-patrice
    9.9.2013, 08:15 Uhr, Link

    davidbauer.ch eingeben ist wirklich eine gute sache.
    herzlichen dank dafür, dass sie soviel mehrwert generieren.

    montäglich aus zürich
    wäre ich ein mit social skills ausgestattetes wesen würde ich ihnen gerne ein bier, tee oder kaffee spendieren….aber ähnlich wie frederik lasse ichs bei der vorstellung und werde meinen nächsten kafi in ihrem namen trinken
    alles gute und weiter so
    patrizia caputo-kunz


Einen Kommentar schreiben

Bitte kommentieren Sie nicht unter einem Pseudonym, sondern stehen Sie mit Ihrem echten Namen zu Ihrer Meinung. Alle Kommentare werden vor der Freischaltung gegengelesen. Beleidigende, werbliche oder sonstwie unpassende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Danke für Ihr Verständnis.
  • Name / Pflicht
  • E-Mail / Pflicht, wird aber nicht veröffentlicht
  • Website / freiwillig