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	<title>Kurzbefehl</title>
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	<description>Der Kompass f&#252;r das digitale Leben.</description>
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		<title>Was wird in zehn Jahren sein?</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Dec 2010 04:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eins ist klar. In zehn Jahren werden wir über die Zukunftsvisionen von heute schmunzeln. Der Mensch kann zwar in die Zukunft sehen. Aber nur so weit, wie sie sich bereits abzeichnet. Oder falsch (Siehe: «Technologie: eine heitere Geschichte des Irrtums»). Die Chance, vorauszusehen, wo wir und unsere Technologie in zehn Jahren stehen, ist etwa so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eins ist klar. In zehn Jahren werden wir über die Zukunftsvisionen von heute schmunzeln. Der Mensch kann zwar in die Zukunft sehen. Aber nur so weit, wie sie sich bereits abzeichnet. Oder falsch (Siehe: «Technologie: eine heitere Geschichte des Irrtums»). Die Chance, vorauszusehen, wo wir und unsere Technologie in zehn Jahren stehen, ist etwa so gross, wie wenn man das Internet schon hundert Jahre vorher hätte kommen sehen. Was sagen Sie, Jules Verne hat genau das getan, Mitte des 19. Jahrhunderts? Nun, dann steht einem kompetenten Blick in die Zukunft nichts im Wege.<span id="more-510"></span></p>
<p>Um zu sehen, wie viel sich in der Technologie in einem Jahrzehnt verändert, genügt ein Blick zurück ins Jahr 2000. Erinnern Sie sich? Mit Handys hat man telefoniert, unterwegs gab es kein Internet. Es gab kein Facebook, kein Wikipedia, kein YouTube, Google Street View schon gar nicht. Nicht einmal Gmail. Der iPod war noch nicht erfunden, iTunes ebensowenig, ein paar verrückte Kids haben Musik im Schneckentempo übers Internet getauscht. Überhaupt: Das Internet war unwegsames Gelände, in dem man hin und wieder Dinge nachgeschaut hat. Die dann doch falsch waren. Man ist auf der Oberfläche des Internets gesurft, nicht selber eingetaucht. Nun also der Blick zehn Jahre nach vorne, mit Jules Verne als Schutzheiligen. Das sind die grossen Trends der nächsten zehn Jahre:</p>
<h2>Die zentralisierte Identität</h2>
<p>Bereits heute haben wir an verschiedensten Orten im Netz Daten von uns hinterlegt. Name, Geburtsdatum, Kreditkartennummer, E-Mail-Adresse, Postadresse und vieles mehr (wer bei 23andMe mitmacht, hat gar seine DNA im Netz gespeichert). Zusammen ergeben sie das Abbild unserer Identität im Netz. In zehn Jahren, vermutlich bereits deutlich früher, werden diese Daten alle an einem Ort gespeichert sein. Entweder entscheiden wir uns freiwillig dazu, weil es praktisch ist, nicht zehn Accounts an verschiedenen Orten zu haben. Oder aber es ist bereits obligatorisch, weil Staaten zur Erkenntnis gekommen sind, dass sie so – «zum Wohle aller» – besser funktionieren können. Es ist dann eine Frage des Datenschutzes, inwieweit die Daten vernetzt werden dürfen und wer auf welche Informationen Zugriff hat. (Siehe: «Steuern wir auf die totale Überwachung zu?»)</p>
<h2>Die Mobilmachung</h2>
<p>Das Handy als multifunktionale Allzweckwaffe wird auch in zehn Jahren das zentrale Gerät sein. Es wird Kreditkarten und Bargeld ablösen, wird in der breiten Masse zum Generalabonnement, Flugticket und Eintrittskarte zum Konzert. Vor allem aber wird es unser persönlicher Radar für unterwegs, das Gefahren und Gelegenheiten erkennt. Verbunden mit speziell präparierten Linsen auf unseren Augen ist das Handy jederzeit in der Lage, zu sehen, was wir sehen, und wird diese Informationen so verarbeiten, das sie für uns nützlich sind. Ausgehend von unseren persönlichen Daten und unserem Konsumverhalten, wird es je nachdem, wo wir uns gerade aufhalten, Empfehlungen abgeben; was wir uns ansehen könnten, welche Freunde wir treffen könnten, wo wir vergünstigt einkaufen können. Das Handy wird laufend gespiesen von unserer zentralen Identität und ihren Vernetzungen. Umgekehrt schärft es kontinuierlich unser Profil mit neuen Informationen und lässt unser Umfeld wissen, was wir tun. </p>
<h2>Die Dominanz der Algorithmen</h2>
<p>Schon heute schicken sich Algorithmen an, den gesunden Menschenverstand zu ersetzen. Wir vertrauen strikten Berechnungsformeln, wenn es darum geht, Empfehlungen für unser Handeln zu erhalten. Bücher, die uns interessieren könnten (Amazon), Songs, die wir als nächste gerne hören würden (iTunes Genius), Menschen, die wir kennen könnten (Facebook) – alles Algorithmen, die aus menschlichem Verhalten im Allgemeinen und unserem Verhalten im Speziellen unsere nächsten Bedürfnisse und Wünsche berechnen. Algorithmen werden in Zukunft unser Leben noch viel stärker durchdringen. Wir werden von intelligenten Gegenständen umgeben sein, unser eigener Verstand wird zur Entscheidungsinstanz zweiter Klasse degradiert. So wird unser Handy Alarm schlagen, wenn die Zahl der Grippefälle in unserem Umfeld, der aktuelle Zustand unseres Immunsystems und unsere Krankengeschichte darauf schliessen lassen, dass akute Erkrankungsgefahr besteht. Oder der Kühlschrank wird automatisch Bier bestellen, wenn wir viel Zeit erfolglos auf Online-Singlebörsen verbringen, melancholische Musik hören und abends jeweils Strom für den Fernseher brauchen.</p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<h2>Konvergenz von Medien und Inhalten</h2>
<p>Die Grenzen zwischen verschiedenen Medien werden verschwinden. Fernsehen, Internet, Radio, Zeitungen, Magazine und Bücher werden wir alle auf demselben Gerät konsumieren, einer Weiterentwicklung dessen, was Apple dieses Jahr als iPad in den Massenmarkt eingeführt hat. Nur in besonderen Fällen werden wir noch auf das jeweilige spezialisierte Medium zurückgreifen. Damit wird die Vermischung von Inhalten aller möglichen Mediengattungen weiter vorangetrieben, neue Formen werden entstehen. So könnte die Tagesschau als Videospiel angeboten werden, in dem ein aktuelles Ereignis aus der Perspektive der Akteure miterlebt werden kann. Eine elektronische Zeitung könnte, nicht nur personalisiert, sondern, auf meine aktuelle Stimmung und mein Zeitbudget angepasst, die wichtigsten Informationen des Tages aufbereiten und dabei News zum Weltgeschehen, Neuigkeiten aus dem privaten Umfeld und persönliche To-Dos bunt durchmischen. Wenn die Medien als solche verschwinden, sind die Möglichkeiten grenzenlos. Es kommt zur Umkehr der Formel von Marshall McLuhan. Die Botschaft ist nun das Medium. </p>
<h2>Der Spieltrieb</h2>
<p>Spielerische Elemente sind ein starker Antrieb für menschliches Verhalten, deren Potenzial sich in den nächsten Jahren noch viel deutlicher entfalten wird. Das Konzept des homo ludens ist ein altes, bereits 1939 hatte der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga beschrieben, wie der Mensch sein Verhalten zunächst spielerisch erlernt und schliesslich ritualisert. Die rasanten technologische Entwicklung eröffnet eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten, gleichzeitig tragen spielerische Elemente dazu bei, neue Technologie anzunehmen. Als Google einen Dienst vorgestellt hat, mit dem Freunde sehen konnten, wo man sich gerade aufhält, war die Skepsis gross. Foursquare hat daraus ein Spiel gemacht, indem man Punkte und spezielle Auszeichnungen erhielt, wenn man regelmässig seinen Standort bekanntgab. Plötzlich waren die Leute gerne bereit, zu verraten, wo sie gerade sind. In naher Zukunft werden alle möglichen Gegenstände in unserer Umgebung mit Sensoren ausgestattet sein, die eine spielerische Interaktion ermöglichen. Meine Schuhe messen, wie viel ich mich bewege. Wenn ich mein Soll übertreffe, erhalte ich von der Krankenkasse einen Rabatt, wenn ich in einem Monat alle meine Freunde übertreffe, schenkt mir der Schuhhersteller das nächste Paar. Das Klavier bewertet uns jedes Mal, wenn wir darauf spielen, und zeigt unser aktuelles Level auf einem Display an, auf das jeder Gast einen prüfenden Blick werfen kann. Die Kinderzahnbürste merkt sich, ob sie regelmässig genutzt wird, und schaltet nach jeder erfolgreichen Woche ein neues Spiel auf dem Handy frei.</p>
<h2>Die Gegenbewegung</h2>
<p>Jede starke Bewegung ruft irgendwann eine Gegenbewegung hervor. Die technologische Entwicklung hat in den letzten Jahren einen derartigen Sog entwickelt, dass Reflexion und nachhaltige Kritik im nötigen Mass weder möglich noch erwünscht war. Erst langsam wächst das Bewusstsein für die persönlichen und soziokulturellen Veränderungen, die die moderne Technik mit sich bringt. Dieses wird sich in den nächsten zehn Jahren weiter manifestieren und konkrete Opposition zur jetzigen Technikgläubigkeit hervorrufen. Sie wird versuchen, den Fokus vom technologisch Machbaren auf das gesellschaftlich Wünschenswerte zu verschieben und gesetzliche Leitplanken errichten. Die Kritik wird nicht wie bisher von Kulturpessimisten und Datenschutzapokalyptikern kommen, sondern von Vertretern der technologisch hochinformierten Generation selber. Ohne tiefgehendes Verständnis der Funktionsweise der modernen Informationstechnologie ist es schlicht nicht mehr möglich, sinnvoll Kritik an ihr zu üben.</p>
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		<title>Wie verhindere ich, dass das Netz meiner Karriere schadet?</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 04:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die kurze Antwort lautet: Seien Sie nicht dumm. Die ausführlichere geht so: In den meisten Fällen, in denen das Internet einer Karriere Schaden zufügt, trägt der Betroffene selber die Schuld. Das Internet an sich tut gar nichts. Sonst müsste man fairerweise sagen, dass das Telefon und vor allem das Mundwerk schon einige Karrieren mehr auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die kurze Antwort lautet: Seien Sie nicht dumm.</p>
<p>Die ausführlichere geht so: In den meisten Fällen, in denen das Internet einer Karriere Schaden zufügt, trägt der Betroffene selber die Schuld. Das Internet an sich tut gar nichts. Sonst müsste man fairerweise sagen, dass das Telefon und vor allem das Mundwerk schon einige Karrieren mehr auf dem Gewissen haben. Das Internet ist nur der Stolperstein, der den Unvorsichtigen ins Straucheln bringt. <span id="more-507"></span></p>
<p>Zum Beispiel jene Frau, die für ihre Freunde sichtbar in ihr Facebook-Profil schrieb: Ich hasse meinen Job, mein Chef ist ein totaler Idiot. Dumm nur, hatte sie ebendiesen Chef irgendwann als Facebook-Freund hinzugefügt. Seine Antwort, direkt bei Facebook: Du musst morgen nicht mehr kommen. Oder jene, die nach Feierabend gerne ein wenig über die Stränge schlagen und in Blogs oder bei Twitter Dinge schreiben, die jeden, der beim Googeln später darauf stösst, an der Seriosität des Schreibers zweifeln lassen. Und natürlich auch jene, deren bierselige Eitelkeit stärker war als der Verstand – und von denen nun der eine oder andere Exzess in Form von Partybildern im Netz dokumentiert ist. Die Liste der Beispiele liesse sich beliebig verlängern, denn wenn etwas keine Grenzen kennt, so ist das, wie bereits Einstein wusste, neben dem Universum die Dummheit der Menschen.</p>
<p>Die wichtigste Vorsichtsmassnahme besteht darin – so banal das auch klingt –, zu verstehen, wie das Internet funktioniert. Wer im Netz Spuren hinterlässt, kann sicher sein, dass diese bald von Google (und allen anderen Suchmaschinen) aufgespürt werden. Und was bei Google erscheint, wird früher oder später gesehen. Google ist die erste Anlaufstelle für all jene, die sich ein Bild von Ihnen im Netz machen wollen. Ein Sonderfall sind soziale Netzwerke wie Facebook, LinkedIn oder Xing. Hier können Sie einschränken, wer zu sehen bekommt, was Sie veröffentlichen. Wer das ist, definieren Sie über die Privatsphäre-Einstellungen und darüber, wen Sie zu Ihren Kontakten aufnehmen.</p>
<p>Es geht darum, dass Ihnen bewusst ist, und zwar bei allem, was Sie im Netz veröffentlichen, sei es ein Bild, ein Kommentar, eine Semesterarbeit oder auch nur ein Link zu einer Website, wer genau es zu sehen bekommt. In dem Moment, da Sie es veröffentlichen. Aber auch später – wenn es über Suchmaschinen weiter sichtbar ist.</p>
<p>Selbst wenn Sie selber sehr vorsichtig sind, kann es aber passieren, dass Informationen über Sie oder Bilder von Ihnen im Netz kursieren, die Ihnen nicht genehm sind. In der Regel geschieht das, weil andere unvorsichtig oder sorglos sind, in Ausnahmefällen begeht jemand gezielten Rufmord gegen Sie (dagegen können Sie, anders als gegen die Naivität des Menschen, rechtlich vorgehen). </p>
<p>Sie kommen also nicht umhin, in einem gewissen Rahmen ein Monitoring Ihrer eigenen Online-Präsenz zu betreiben. Googeln Sie sich regelmässig selber, um zu sehen, welche Treffer dabei erscheinen. Lassen Sie sich von Facebook (oder dem sozialen Netzwerk Ihrer Wahl) benachrichtigen, wenn Sie auf einem Foto markiert werden. Wenn Ihnen dies zu mühselig ist oder Sie die Arbeit lieber Profis überlassen wollen, können Sie einen Dienst wie etwa Reputation Defender damit beauftragen. Für 15 bis 20 Franken im Monat wird Ihr Ruf im Netz beobachtet und bei Bedarf werden unerwünschte Inhalte zum Verschwinden gebracht (wie genau sie das machen, bleibt Geschäftsgeheimnis, es ist aber anzunehmen, dass sie sich ähnlicher Methoden bedienen, die man als Privatperson auch anwenden könnte, bloss mit mehr Erfahrung und Wissen um die verschiedenen Möglichkeiten, etwas zum Verschwinden zu bringen).</p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<p>Eine sehr effektive Präventivmassnahme besteht darin, aktiv das eigene Bild im Netz zu prägen. Melden Sie sich zu Wort, präsentieren Sie sich im Netz, steuern Sie den Informationsfluss. Mit einer eigenen Website und einer gut gepflegten Präsenz auf einigen Netzwerkplattformen sorgen Sie dafür, dass die ersten Google-Treffer zu Ihrem Namen solche sind, die Sie kontrollieren. Sie bestimmt dort, was über Sie geschrieben und wie viel von Ihnen preisgegeben wird. Und Sie können jederzeit Dinge löschen oder hinzufügen. Wer Sie via Suchmaschine im Netz sucht, wird dort landen und Sie so kennen lernen, wie Sie es möchten. Wer allerdings gezielt über Sie recherchiert (und davon müssen Sie heute ausgehen, wenn Sie sich auf eine Stelle bewerben), wird weiterhin auch alle anderen Spuren finden, die Sie oder andere über Sie im Netz hinterlassen.</p>
<p>Gleich in Panik verfallen müssen Sie deswegen nicht. Nur weil Sie einmal unbedacht gehandelt haben und Google dies aufgezeichnet hat, sind Sie nicht sofort ans Messer geliefert. Ihre Informationen aus den Weiten des Netzes landen am Ende immer bei Menschen. Und die sind schlau genug, einzuordnen, was sie sehen. Sorgen Sie einfach dafür, dass bei der Einordnung nicht allzu viel Toleranz nötig ist.</p>
<h2>So halten Sie sich im Netz schadlos</h2>
<p><strong>Vorsicht</strong> <br />
 —  Passen Sie die Privatsphäre-Einstellungen aller Dienste, die Sie nutzen, genau Ihren Bedürfnissen an und kontrollieren Sie die Einstellungen regelmässig.<br />
— Pflegen Sie Ihre Kontaktliste in sozialen Netzwerken regelmässig, damit Sie immer wissen, wer zu sehen bekommt, was Sie veröffentlichen.<br />
— Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Kontakte in Gruppen zu unterteilen, damit nur echte Freunde wirklich Privates zu sehen bekommen.<br />
— Veröffentlichen Sie keine Privatfotos auf öffentlich zugänglichen, von Suchmaschinen erfassten Seiten.<br />
— Schreiben Sie auf öffentlich zugänglichen Seiten wie Twitter, Blogs oder Foren immer mit Bedacht.</p>
<p><strong>Monitoring</strong> <br />
—  Googeln Sie regelmässig Ihren eigenen Namen, beachten Sie dabei auch die Resultate in der Bildsuche.<br />
— Überprüfen Sie die Resultate, die eine spezielle Personensuche wie 123people.ch über Sie anzeigt.<br />
— Wenn Ihr Name einzigartig genug ist: Richten Sie einen Google Alert ein, damit Sie eine Nachricht erhalten, wann immer Google einen neuen Eintrag zu Ihrem Namen im Netz findet.<br />
— Lassen Sie sich vom sozialen Netzwerk Ihrer Wahl benachrichtigen, wenn Sie jemand auf einem Foto markiert.</p>
<p><strong>Aktives Imagemanagement</strong>  <br />
—  Bestücken Sie eine eigene Website oder das Profil bei einem berufsorientierten Netzwerk wie Xing und LinkedIn mit genau jenen Informationen, die man über Sie im Netz finden soll, und verlinken Sie wo immer möglich auf diese Seiten, damit sie in den Suchresultaten prominent erscheinen.<br />
— Kontaktieren Sie Personen, die Inhalte im Netz veröffentlicht haben, die Ihnen schaden könnten, mit der Bitte, die Inhalte zu entfernen.<br />
— Beauftragen Sie einen professionellen Anbieter wie Reputation Defender, Ihren Ruf im Netz zu pflegen.</p>
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		<title>Welche Umgangsformen sind im Internet angebracht?</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Dec 2010 04:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt das Internet nicht. Jedenfalls nicht als Gegenstück zu so etwas wie dem realen Leben. Das Internet ist heute ein integraler Bestandteil unseres Alltags, so dass es überhaupt keinen Sinn ergibt, es in irgendeiner Form davon abzukoppeln, als wäre es eine Parallelwelt mit anderen Regeln. Ob ich online bin oder offline, ich bin ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt das Internet nicht. Jedenfalls nicht als Gegenstück zu so etwas wie dem realen Leben. Das Internet ist heute ein integraler Bestandteil unseres Alltags, so dass es überhaupt keinen Sinn ergibt, es in irgendeiner Form davon abzukoppeln, als wäre es eine Parallelwelt mit anderen Regeln. Ob ich online bin oder offline, ich bin ich und verhalte mich in groben Zügen gleich. Genauso, wie ich nicht plötzlich ein komplett anderer Mensch werde, wenn ich meine Wohnung verlasse. Wenn ich mich online anders verhalte als offline, dann nur, weil ich mich an mein Umfeld anpasse. Genauso wie ich mich für einen Opernbesuch anders kleide als für einen Fernsehabend zu Hause, genauso wie ich mit guten Freunden anders spreche als mit den Zeugen Jehovas.<span id="more-505"></span></p>
<p>Das Internet ist nicht mehr die Spielweise der Anfangszeit, wo man in eine fremde, virtuelle Haut schlüpfen und sich austoben konnte. Das Internet ist erwachsen geworden – höchste Zeit für seine Nutzer, die digitale Pubertät hinter sich zu lassen.</p>
<p>Dazu gehört als Erstes, dass man sich im Netz als der ausgibt, der man wirklich ist. Pseudonyme stammen aus der Adoleszenz des Internets und bestärken nur die unnatürliche, scharfe Trennung von Onlineidentität und realer Person (Siehe: «Was macht die Technologie mit unserer Identität?»). Nicht selten geht es dabei ganz feige darum, sich der Verantwortung zu entziehen für alles, was das eigene Alter Ego im Netz anstellt. Echte Namen schaffen Vertrauen, ermöglichen Gespräche auf Augenhöhe und stellen sicher, dass wir uns im Netz genauso verhalten, wie wir es für angebracht halten. Eben wie im «richtigen» Leben, zu dem das Internet längst gehört.</p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<p>Die Umgangsformen im Internet können sich daher sinniger weise nur an den gewohnten Umgangsformen orientieren. Umgangsformen speziell für das Medium Internet zu definieren wäre, als würde man welche für das Medium Papier definieren. Niemand käme auf die Idee, dass für ein Bewerbungsschreiben, einen Liebesbrief und eine Post-it-Notiz dieselben Regeln gelten, bloss weil sie alle auf Zellulose geschrieben sind.</p>
<p>Die Netiquette war in der Anfangszeit des Internets der Versuch, eine Art Gentlemen’s Agreement für den Umgang im virtuellen Raum einzuführen. Erklärtes Ziel der Netiquette war, Internet-Neulingen die Netz-Kultur beizubringen und eine gemeinsame Basis der virtuellen Kommunikation zu etablieren. 1995 war das sinnvoll, da damals fast jeder noch ein Internet-Neuling war. Vieles aus dem Dokument der Internet Engineering Task Force mag dem heutigen Nutzer selbstverständlich vorkommen, gleichzeitig enthält es zahlreiche Empfehlungen, die noch heute Gültig keit haben und die man sich durchaus ab und zu in Erinnerung rufen sollte (etwa, dass man Mails mit einem sinnigen Betreff beschriftet, dass man Smileys sparsam einsetzen und niemanden mit Grossbuchstaben ANSCHREIEN sollte). </p>
<p>Die zentrale Empfehlung war aber bereits damals, sich im Netz nicht anders zu verhalten als ausserhalb: «In general, rules of common courtesy for interaction with people should be in force for any situation», heisst es da. Es sei im Internet gar doppelt wichtig, dass man gängige Umgangsformen beachte, weil Körpersprache und Stimmlage, die normalerweise eine Äusserung einordnen, wegfallen. Die Netiquette mahnt zu Vorsicht und Zurückhaltung: «Remember that the recipient is a human being whose culture, language, and humor have different points of reference from your own.» Verschiedene Menschen, verschiedene (Gesprächs-)Kulturen.</p>
<p>Wer sich an diese Grundregeln hält und stets eine ordentliche Dosis gesunden Menschenverstand walten lässt, kann nicht viel falsch machen. Konkrete Empfehlungen – etwa, welche Anrede in E-Mails angebracht ist, wie viel grammatikalische Regeltreue nötig ist oder wie zurückhaltend man in sozialen Netzwerken agiert – sind dann gar nicht nötig, sondern ergeben sich aus der Situation heraus. Im Zweifel hilft eine Faustregel weiter, die ebenfalls bereits 1995 in der Netiquette festgehalten wurde: «Be conservative in what you send and liberal in what you receive.» Will heissen: Seien Sie zurückhaltend und bedacht, wie Sie sich äussern, seien Sie aber gleichzeitig nicht überrascht, wenn es andere nicht gleich halten. Ganz wie im «richtigen» Leben.</p>
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		</item>
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		<title>Erfordert die digitale Welt eine neue Ethik?</title>
		<link>http://www.kurzbefehl.ch/erfordert-die-digitale-welt-eine-neue-ethik</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Dec 2010 04:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchtexte]]></category>
		<category><![CDATA[Abhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Ethik ist das Korrektiv, das den Menschen davon abhält, alles zu tun, was er tun könnte. Ein Korrektiv, das dem menschlichen Handeln moralische Leitplanken setzt. Die Ethik kommt immer dann um die Ecke, wenn der Mensch gedankenverloren drauflosstürzt, und wirft ein: Sollen wir das wirklich tun? Ist das, was daraus folgt, wirklich wünschenswert? Technologischer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ethik ist das Korrektiv, das den Menschen davon abhält, alles zu tun, was er tun könnte. Ein Korrektiv, das dem menschlichen Handeln moralische Leitplanken setzt. Die Ethik kommt immer dann um die Ecke, wenn der Mensch gedankenverloren drauflosstürzt, und wirft ein: Sollen wir das wirklich tun? Ist das, was daraus folgt, wirklich wünschenswert?<span id="more-503"></span></p>
<p>Technologischer Fortschritt gründet im Bestreben, die Grenzen des Machbaren auszudehnen. Gerade der rasante technologische Fortschritt der digitalen Welt orientiert sich am Machbaren. Die Frage nach dem Wünschenswerten wird nur im Kleinen gestellt, nämlich insoweit, als es darum geht, einzelne Probleme mit technischen Neuerungen zu lösen. Das Wünschenswerte im grossen Kontext, dem gesamtgesellschaftlichen, bleibt oftmals ausgeblendet. Wie sagte doch der amerikanische Mathematiker Norbert Wiener sehr treffend bereits über die frühen Rechenmaschinen: «Sie haben etwas von den Zauberern im Märchen. Sie geben einem wohl, was man sich wünscht, doch sagen sie einem nicht, was man sich wünschen soll.»</p>
<p>Zu behaupten, die digitale Welt erfordere eine neue Ethik, wäre dennoch verfehlt. Ganz einfach deshalb, weil es die entsprechende Ethik längst gibt. Es reicht, wenn wir sie uns wieder ins Bewusstsein holen und dafür sorgen, dass sie eine wichtigere Rolle erhält, wenn es darum geht, Entscheide zu fällen und zu beurteilen. </p>
<p>Spätestens am 6. August 1945 hat die Erkenntnis eingesetzt, dass technische Machbarkeit nicht der alleinige Massstab technologischen Fortschritts sein darf. Der Abwurf der Atombombe über Hiroshima hat der Welt auf grauenvolle Weise vor Augen geführt, was möglich ist, wenn das Wissen und das Können vom Sollen losgelöst werden. Wohl war es ein politischer Entscheid, die Bombe einzusetzen. Die Grundlagen dafür hat die Wissenschaft geschaffen.</p>
<p>Der deutsche Philosoph Jürgen Mittelstrass hat sich intensiv mit dem Dilemma des technischen Fortschritts befasst. In seinem Buch Leonardo-Welt beschreibt er jene Welt, die sich der Mensch mit technologischen Mitteln selber erschaffen hat, indem er mit Technik die Natur vervollständigt hat. Die Leonardo-Welt, angelehnt an den grossen Erfinder und Tüftler Leonardo da Vinci, ist die Welt als Werk des Menschen: «Es ist eine Welt, in der sich die Verfügungsgewalt des Menschen, gestützt auf den wissenschaftlichen und den technologischen Verstand, eindrucksvoll zum Ausdruck bringt.» </p>
<p>Das Problem, so Mittelstrass, liegt darin, dass der Mensch dadurch, dass er seine Umwelt umformt, auch sich selber verändert. Er läuft dabei Gefahr, zum Gefangenen seiner eigenen Welt zu werden. Er ist dann nicht mehr in der Lage, dem Credo der Leonardo-Welt zu folgen, das da heisst: «Stelle Konstruktion und Entwicklung in den Dienst der Erhaltung und der Verbesserung der Lebensgrundlagen und des Lebens.» Der Mensch, ermahnt Mittelstrass, darf sich nicht von der technologischen Entwicklung treiben lassen, er muss sie aktiv steuern. Und dabei eine ethische Grundhaltung an den Tag legen, die sich auszeichnet durch «Augenmass, Selbstkritik, Wahrhaftigkeit, Aufklärung, den Willen zur Vernunft und Verantwortung». Der Mensch muss Wissen und Können immer am Sollen messen.</p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<p>Dieser Grundgedanke muss vermehrt in die Diskussionen um derzeitigen und künftigen Fortschritt einfliessen. Fortschritt darf kein Selbstzweck sein, indem er die menschlichen Fähigkeiten unter Beweis stellt. Er darf vor allem nicht seine möglichen Folgen ausser Acht lassen. Es reicht hierfür nicht, gesinnungsethisch die gute Absicht des eigenen Handelns zu reklamieren. Gute Absichten sind eine schlechte Entschuldigung für böse Folgen. Die Konsequenzen menschlichen Handelns nimmt die Verantwortungsethik in den Blick. Daran gilt es technischen Fortschritt zu messen. Die digitale Welt braucht eine Ethik, die danach fragt, ob das, was wir tun, Wünschenswertes hervor- und mit sich bringt. </p>
<p>So können wir es uns nicht leisten, nicht genauer zu hinterfragen, was wir alles möglich machen, wenn persönliche Daten in immer grösserem Ausmass zentral gespeichert werden (Siehe: «Steuern wir auf die totale Überwachung zu?»). Es ist unsere Verpflich tung, über die Folgen des digitalen Grabens nachzudenken, den der Fortschritt zwischen Armen und Reichen aufreisst (Siehe: «Macht das Internet die Welt demokratischer?»). Wir müssen uns bewusst machen, welche Gefahren es mit sich bringt, wenn wir immer mehr Entscheide auf Algorithmen anstatt menschliches Urteilsvermögen abstützen (Siehe: «Was wird in zehn Jahren sein?»). Das sind nur wenige Beispiele von ethischen Fragen, die sich in der digitalen Welt aufdrängen.</p>
<p>Die Schwierigkeit, gerade bei der Entwicklung modernster Technologie, besteht zweifelsohne darin, dass die möglichen Folgen selten absehbar sind. Vieles, was heute entwickelt wird, kann irgendwann missbraucht oder zum Bösen verwendet werden. Der Fortschritt käme sofort zum Erlahmen, wenn nichts vorangetrieben werden dürfte, das bei allen viel versprechenden Aussichten auch negative Konsequenzen haben könnte. Es ist nicht Aufgabe und Sinn der Ethik, abschliessend ja oder nein zu sagen, einmalig zu verurteilen oder den Segen zu erteilen. Damit der Mensch nicht in seiner selbst erschaffenen Leonardo-Welt zu Grunde geht, muss die Ethik ständige Begleiterin der technologischen Entwicklung sein, stets an die Verantwortung aller Beteiligen appellieren und fortwährend unbequeme Fragen stellen. Alle, die die digitale Welt der Zukunft mitgestalten, müssen sich diese Fragen stellen. Wenn sie es nicht selber tun, müssen wir sie ihnen stellen.</p>
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		<title>Was ist an diesem iPhone so toll?</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 04:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchtexte]]></category>
		<category><![CDATA[Apple]]></category>
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		<category><![CDATA[Handy]]></category>
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		<description><![CDATA[Um zu verstehen, worin die Faszination des iPhone liegt, müssen wir es nicht anschauen, sondern darüber hinausblicken. Das iPhone wollte nie einfach ein Gerät sein, schon gar nicht das, was es im Namen vorgibt zu sein: ein Telefon. Das iPhone ist ein Accessoire, das Lifestyle-Statement des digitalen Nomaden, der da zu Hause ist, wo er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um zu verstehen, worin die Faszination des iPhone liegt, müssen wir es nicht anschauen, sondern darüber hinausblicken. </p>
<p>Das iPhone wollte nie einfach ein Gerät sein, schon gar nicht das, was es im Namen vorgibt zu sein: ein Telefon. Das iPhone ist ein Accessoire, das Lifestyle-Statement des digitalen Nomaden, der da zu Hause ist, wo er mit der Welt verbunden ist. Nur ein Mobiltelefon hatte davor eine so klare Botschaft ausgesandt: der Blackberry als Erkennungszeichen der Wichtigen und Vielbeschäftigten. Das iPhone präsentierte sich von Beginn weg als nonchalanter Gegenentwurf all jener, die Wichtigeres im Leben zu tun haben, als immer nur zu arbeiten. <span id="more-501"></span></p>
<p>Das iPhone mit seinen sanften Formen und dem gläsernen Touchscreen ist chic, es ist hip, es ist die formvollendete Verlängerung des narzisstischen Egos für die Hosentasche. Das man zur Hand nehmen kann und streicheln, wie es jedes Ego verlangt. Diese Qualität erklärt, wie das iPhone innert kurzer Zeit alle Augen auf sich ziehen und zum Objekt der Begierde werden konnte. Sie erklärt aber nicht, warum es diesem funkelnden Stück Technik gelungen ist, unser Leben so nachhaltig in Beschlag zu nehmen. Egos sind launisch und flüchtig, was heute hip ist, ist morgen von gestern.</p>
<p>Dem iPhone ist es gelungen, sich unverzichtbar zu machen. Seine Geschichte erzählt von der Reise zum Mittelpunkt unseres sozialen Lebens. Kein anderes Gerät hat sich je so fest in unseren Alltag eingeflochten und unser Verhalten geprägt. Indem es nicht Bedürfnisse befriedigt, sondern neue in uns geweckt hat. Als erster massentauglicher Taschencomputer hat es uns ein Verhalten angewöhnt, das ohne iPhone nicht mehr auskommt. Auf alles, was uns das iPhone bietet, konnten wir davor gut verzichten. Nun wollen wir nicht mehr. Das kleine Ding hat sich als ständiger Begleiter an unsere Seite geheftet, der in jeder erdenklichen Situation mit Rat und Tat zur Seite steht. </p>
<p>Es ist die Partnerin, die in den Ferien an die Karte gedacht hat und weiss, wo es langgeht. Es ist der grosse Bruder, der jederzeit alles weiss, als wäre er Google. Es ist die Musikkennerin, die immer weiss, wie jener Ohrwurm heisst, der jetzt in der Bar gerade läuft, die gute Freundin, die uns einflüstert, was «Ich mag dein Kleid» auf Französisch heisst. Es ist der Connaisseur, der immer ein gutes Restaurant zu empfehlen weiss, der pflichtbewusste Kumpel, der auch nach einer durchzechten Nacht den Zugfahrplan auswendig kennt. Es ist der Fitnesstrainer, der uns für die Badesaison in Form bringt, und die beste Freundin, die hilft, die richtigen Kleidungsstücke zu kombinieren. Es ist Mutti, die für uns an alles denkt. Und es ist das beste Baby der Welt, das Papa nur in den richtigen Schlafphasen aufweckt.</p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<p>All diese Rollen kann das iPhone spielen, weil es Teil eines riesigen Ökosystems an Applikationen ist, jener über 250 000 Programme, die dem Gerät mal diese, mal jene Seele einhauchen und das iPhone zu dem machen, was es ist: ein treuer Compagnon, viel mehr als ein Gerät, fast ein bisschen menschlich. Es ist nicht wie der Blackberry ein tumber Arbeitssklave, es ist all jene Menschen, die uns wichtig und wertvoll sind. Weil es das ist, fügt es sich beinahe nahtlos in unser soziales Leben ein. </p>
<p>Auch in geselliger Runde ist das iPhone kein Fremdkörper mehr, sondern gern gesehener Gast. Denn der kleine Begleiter tauscht sich auch gern mit anderen Menschen aus, selbst mit solchen, die keine Begleitung dabeihaben, sondern und nur ein gewöhnliches Handy. Kommt das Gespräch auf den neuesten YouTube-Hit, ist klar, dass ein iPhone ihn kurz all jenen in der Runde abspielt, die ihn noch nicht gesehen haben. Schmiedet man gemeinsam Pläne für den nächsten Tag, ist es völlig normal, dass ein iPhone kurz den Wetterfrosch mimt. Mehr noch, wir alle haben schon Situationen erlebt, in denen das kleine Schwarze zum Star der Runde geworden ist. Etwa, wenn es sich in den Flaschengeist Akinator verwandelt und jede Person errät, an die man denkt. Oder wenn sich plötzlich alle als fingerfertige Fluglotsen bei Flight Control überbieten wollen und gebannt auf die Landebahnen auf dem kleinen Bildschirm blicken.</p>
<p>Aus dem einstigen Luxusartikel für Narzissten und Technophile wird zunehmend eine tägliche Notwendigkeit. Seit seiner Geburtsstunde Anfang 2007 hat Apple weltweit über sechzig Millionen iPhones verkauft, die Eidgenossen sind dem Ding so sehr verfallen wie keine andere Nation, geschätzte 850 000 wurden in der Schweiz schon verkauft. Gefühlt sind es noch mehr, weil unter den sieben Millionen Handys, die schweizweit in Gebrauch sind, die iPhones bei weitem am sichtbarsten sind. Weil sie nicht Geräte sind, die man mit sich herumträgt, sondern Begleiter, die man bei sich hat.</p>
<p>Es erstaunt wenig, dass alle anderen Hersteller von Mobiltelefonen inzwischen das «Prinzip iPhone» kopiert haben: ein Gerät in edler Form, das direkt über Bildschirmberührungen gesteuert wird und mit einem Ökosystem an Programmen verknüpft ist, die jedem Benutzer das geben, was er will und braucht. Einzelne Geräte bieten bereits heute mehr als das iPhone, doch als Gesamtpaket, inklusive der Apple-Aura und des Bonus des Erstgeborenen, bleibt es unangetastet. Und selbst wenn irgendwann das iPhone in seiner exklusiven Rolle an unserer Seite abgelöst werden sollte, dann nur von einem Gerät, das das «Prinzip iPhone» noch besser verwirklicht und sich noch unentbehrlicher macht.</p>
<p>Der tiefschürfende Schnitt, der ist vollzogen. Was einst ein Mobiltelefon war, haben wir so tief in unser Leben integriert, dass es uns in nahezu jeder Lebenssituation begleitet. Wie sehr, das erlebt der iPhone-Besitzer immer dann, wenn der Akku leer ist, der treue Begleiter schläft. Für ein paar Momente ist er dann ganz alleine. Ganz alleine unter Menschen.</p>
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		<title>Was für ein homo digitalis bin ich?</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 12:24:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Offline only.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Offline only.<span id="more-512"></span></p>
<p><img src="http://www.kurzbefehl.ch/wp-content/uploads/2010/12/homodigitalis.jpg" alt="" title="Was für ein homo digitalis bin ich? (Bild: Kevin Rechsteiner)" width="600" height="400" class="aligncenter size-full wp-image-513" /></p>
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		<title>Schafft der Mensch sich selber ab?</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 04:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Abhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Roboter]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page sagten einmal, sie könnten sich gut vorstellen, dass dereinst die Suchmaschine direkt mit dem menschlichen Gehirn verbunden wird. Denken bedeutet dann (auch) googeln. Kühne Science-Fiction und Schreckensutopie? Vermutlich weniger, als wir denken. Technisch ist der Mensch zwar noch nicht so weit. Doch das ist nicht die entscheidende Frage. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page sagten einmal, sie könnten sich gut vorstellen, dass dereinst die Suchmaschine direkt mit dem menschlichen Gehirn verbunden wird. Denken bedeutet dann (auch) googeln. Kühne Science-Fiction und Schreckensutopie? Vermutlich weniger, als wir denken.<span id="more-483"></span></p>
<p>Technisch ist der Mensch zwar noch nicht so weit. Doch das ist nicht die entscheidende Frage. Informationstechnologie, Nanotechnologie und Neurowissenschaft entwickeln sich in einem Tempo, dass es nicht schwerfällt zu glauben, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es möglich sein wird, den menschlichen Körper technisch zu erweitern und beispielsweise das Gehirn mit Google zu verdrahten (schon heute haben wir Herzschrittmacher, Hirnschrittmacher und Hörgeräte). Die entscheidende Frage ist, ob wir bereit sind, eine solche Entwicklung geschehen zu lassen. Die Antwort ist ein schleichendes Ja. Wir haben sie bereits gegeben.</p>
<p>Die Medizin, die Pharmazie und alle Wissenschaften, die sich mit der Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers und der menschlichen Psyche befassen, sind traditionell darauf ausgerichtet, Leiden zu vermindern und präventiv zu verhindern. Salopp gesagt: Man sieht zu, dass möglichst nichts kaputtgeht. Und wenn etwas kaputtgeht, wird es repariert. Die heutige Medizin geht deutlich weiter. Wir haben längst damit begonnen, gesunde Körper zu verändern. Mit dem Ziel, Leistung und Schönheit zu steigern. Nach aktuellen medizinischen Möglichkeiten bedeutet das, Brüste mit Silikon aufzupolstern, Falten wegzuspritzen und Körper und Geist mit geeigneten Substanzen aufzuputschen. Es gelingt sogar, diese Eingriffe nach traditionellem Medizinverständnis zu begründen, indem Defizite konstruiert werden. Je nachdem, was als Massstab gesetzt wird, ist jeder menschliche Körper defizitär und in diesem Sinne «korrekturbedürftig». Nicht mehr die Natur ist der Massstab, sondern der menschliche Anspruch. Heute sind die Brüste zu flach und das Gesicht ist zu faltig, morgen das Gehirn nicht mehr leistungsfähig genug. Wir haben uns dieser Entwicklung längst geöffnet.</p>
<p>Raymond Kurzweil ist wohl der prominenteste Verfechter der Theorie, dass der Mensch mit von ihm erschaffener Technik verschmelzen wird – und dass das erstrebenswert sei. In seinem Buch The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology erstellte der amerikanische Futurologe bereits 2005 einen genauen Zeitplan, wie sich Mensch und Computer annähern und schliesslich verschmelzen werden. Die «Singularität» ist nach Kurzweil der Punkt, an dem Menschen nicht mehr die intelligentesten Wesen des Planten sind und damit den Lauf der Dinge nicht mehr selber bestimmen. Die künstliche Intelligenz von Maschinen ist dann so fortgeschritten, dass normale, unveränderte Menschen nicht mehr Schritt halten können. Der Mensch als solcher hat sich mit seinen Errungenschaften selber abgeschafft. Was bleibt, ist eine neue Daseinsform, eine Mensch-Maschine, bei der die Grenzen nicht mehr klar feststellbar sind. 2045 soll es so weit sein. Wie sagte der polnische Schriftsteller Stanislaw Jerzy Lec bereits Mitte des letzten Jahrhunderts: «Die Technik ist auf dem Weg, eine solche Perfektion zu erreichen, dass der Mensch ohne sich selber auskommt.»</p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<p>Kurzweil ist ein radikaler Denker, gewiss, entsprechend heftig wird er für seine Prognosen kritisiert. Im Kern liest er die aktuelle Entwicklung aber richtig. Auch wenn der Mensch möglicher weise nicht schon in 35 Jahren obsolet geworden ist, so sollte er rechtzeitig damit beginnen, darüber nachzudenken, was eine solche Entwicklung bedeutet. (Siehe: «Erfordert die digitale Welt eine neue Ethik?»)</p>
<p>Sie wird, noch bevor der Mensch zur Mensch-Maschine wird, die Gesellschaft grundlegend verändern. Schrittweise werden technische Möglichkeiten verfügbar werden, die den menschlichen Körper und Geist leistungsfähiger machen werden. Ein Ohrimplantat, mit dem der Mensch auf deutlich mehr Frequenzen hören kann als normal. Eine Augenoperation, nach der der Mensch auch im Dunkeln sieht. Ein System aus Nanorobotern, das es erlaubt, den Hormonhaushalt gezielt von aussen zu steuern, um im richtigen Augenblick aufmerksam, waghalsig oder entspannt zu sein. Oder eben ein Chip als Erweiterung für das Gehirn, so dass der Mensch beim Denken nicht nur auf seinen eigenen Speicher, sondern auf eine gigantische Wissensdatenbank zugreifen kann. Die Anwendungen werden (zumindest zu Beginn) sehr teuer sein, nur sehr Privilegierte werden sie sich leisten können. Während im Sport unnatürliche Leistungssteigerung verurteilt wird, ist sie bislang in der Gesellschaft akzeptiert. Schönheitsoperationen und Aufputschmittel werden nicht als stossende Verzerrung der Chancengleichheit wahrgenommen. Was aber, wenn die ersten Schüler dank reicher Eltern mit dem Wissens-Chip ausgestattet sind? Was, wenn die Stelle als Messtechniker an jenen Bewerber mit den künstlichen Adleraugen vergeben wird? Das disruptive Potenzial dieser Entwicklung hin zur Mensch-Maschine zeigt sich nicht erst dann, wenn der Mensch sich selber abschafft. Sondern an dem Punkt, wo sich die ersten Menschen zu leistungsfähigeren Wesen umbauen lassen.</p>
<p>Der digitale Graben, der heute vor allem zwischen Industrie- und Entwicklungsländern verläuft und über den unterschiedlichen Zugang zu Informationstechnologie definiert ist, wird dann dramatisch an Tiefe und an Bedeutung gewinnen. Er wird verlaufen zwischen einer technoiden Kaste und all jenen naturbelassenen Menschen, die sich das technische Wettrüsten am eigenen Körper nicht leisten können oder sich der Entwicklung verwehren. Unterschiedliche Lebensbedingungen, unterschiedliche Bildung, unterschiedliche finanzielle Mittel sorgen schon heute für ein deutliches gesellschaftliches Gefälle und entsprechende Spannungen. Hält es eine Gesellschaft aus, national wie global gesehen, wenn sich die Chancenungleichheit potenziert, indem ohnehin schon Bevorteilte sich zusätzlich einen körperlichen Vorteil verschaffen? Sie hält es aus, wenn jene, die den Vorteil haben, diesen zum Wohle aller einsetzen. Also vermutlich nicht. Wahrscheinlicher ist – homo homini lupus –, dass eine neue Superelite auf Kosten der Normalmenschen ein privilegiertes Leben führen und ihre Macht stetig ausbauen wird. Im harmloseren Fall innerhalb einer technikgestützten Hegemonie. Im schlimmsten Fall in einer totalitären Gesellschaft. </p>
<p>Verschmilzt der Mensch irgendwann zur Mensch-Maschine verliert er seinen menschlichen Kern. Bereits auf dem Weg dorthin aber droht er seine Menschlichkeit zu verlieren.</p>
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		<title>Wo fahre ich ganz altmodisch analog besser?</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Dec 2010 04:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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		<description><![CDATA[Man muss kein unverbesserlicher Nostalgiker sein, der versessen an Büchern schnüffelt, Vinylplatten streichelt und ob des Raschelns von Zeitungspapier in Verzückung gerät, um in der heutigen digitalen Welt noch Kraftorte des Analogen zu erkennen. Sie sind da, auch für Pragmatiker nicht zu leugnen. Man findet sie indes nicht in der Welt der Dinge, wo jede [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss kein unverbesserlicher Nostalgiker sein, der versessen an Büchern schnüffelt, Vinylplatten streichelt und ob des Raschelns von Zeitungspapier in Verzückung gerät, um in der heutigen digitalen Welt noch Kraftorte des Analogen zu erkennen. Sie sind da, auch für Pragmatiker nicht zu leugnen. Man findet sie indes nicht in der Welt der Dinge, wo jede Idee irgendwann von einer neueren überholt wird. Man findet sie da, wo im Ursprung kein Ding war: in der menschlichen Kommunikation. Von Facebook zu Rauchzeichen zurückzukehren wäre nostalgische Esoterik. Der interessante Schritt zurück ist jener von medialer Kommunikation zu direkter, die von Angesicht zu Angesicht stattfindet. Alte Dinge können mit neuen selten mithalten. Keine Dinge sehr wohl.<span id="more-481"></span></p>
<p>Tyler Brûlé, der kosmopolitische Connaisseur, eigentlich bekannt dafür, Dinge auf der ganzen Welt zu empfehlen, die sich niemand leisten kann, hat einmal einen klugen Satz gesagt. Er kommentierte den Hype um neue Kommunikationsformen wie Facebook und Twitter lapidar: «Es gibt eine Form von Social Media, die wirklich funktioniert, beruflich wie privat. Man nennt sie ein Glas Wein zusammen trinken.» Auch wenn er dabei vermutlich an die limitierte Edition eines 1982er Château de Vanité mit exklusiver Tom-Ford-Etikette gedacht hat, trifft er den Kern. Der Wein und das Wort – sie passen nicht nur vom Klang wunderbar zusammen.</p>
<p>Natürlich ist Brûlés Plädoyer für die weinselige Kommunikation mit Mass zu geniessen. Der analoge Dialog ist seinen digitalen Alternativen nicht grundsätzlich überlegen. Auf die Dauer wäre es auch ganz schön anstrengend, jede Form von Kommunikation auf dem Medium Wein aufzubauen. Um das richtige Mass zu finden und nicht bei den kommunikativen Alkoholikern zu landen, können Sie sich wiederum am Wein orientieren. Das Internet ist ideal, um Freunde nach einem empfehlenswerten Wein zu fragen; um Informationen über ein Weingebiet und Expertenmeinungen über den richtigen Jahrgang zu beschaffen; um Weinpreise zu vergleichen; und schliesslich, um Wein zu bestellen. Getrunken aber wird offline. Das Wichtigste gehört in die Realität ausserhalb des Netzes. Der Wein ist darum das Medium der Wahl, wenn die grossen Herausforderungen der zwischenmenschlichen Kommunikation anstehen: die Verführung, der Streit, die intelligente Unterhaltung. Fangen wir beim Letzten an. </p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<p>Der Wein macht den Menschen zwar nicht intelligenter, und wer glaubt, er lasse ihn wenigstens intelligenter aussehen, dem fehlt bereits eine gewisse Grundintelligenz. Der Wein aber versetzt den Menschen in eine Stimmung, in der er in der Lage ist, sein intellektuelles Potenzial abzurufen. Weil er entschleunigt und die Gedanken fokussiert. Und weil der Wein als Genussmittel eine Würde ausstrahlt, welcher der Trinkende ebenbürtig sein möchte, weshalb er sich doppelt anstrengt. Zwei Menschen, wer sie auch sein mögen, werden bei einem Glas Wein immer das intelligentere Gespräch führen, als wenn sie ihre Gedanken bei Twitter, Facebook oder im Videochat austauschen.</p>
<p>Auch für den Streit gilt: raus aus dem Netz, ran an die Flasche. Insbesondere dann, wenn die Stimme beben und der Blick töten, das Ganze aber in eine gütliche Einigung münden soll. Nichts ist ärgerlicher, als wenn man nicht richtig zum Ausdruck bringen kann, wie verärgert man ist. Einen Streit digital auszufechten bedeutet immer, Emotionen codieren zu müssen (kennen Sie den vor Wut explodierenden Smiley bei Skype? Niemand nimmt den ernst, so süss ist der). Codierte Emotionen frustrieren und sorgen für Missverständnisse, ein guter Streit aber braucht unmissverständliche Emotionen. Was den Wein zum Konfliktlöser qualifiziert: Er beruhigt und verbindet. Das ist die beste Medizin, um nach einem echten Streit zu einer echten Lösung zu kommen. Zwei Menschen, worüber sie auch streiten mögen, werden bei einem Glas Wein immer den besseren Streit mit dem besseren Ende erleben, als wenn sie ihn in der digitalen Arena ausfechten.</p>
<p>Schliesslich die Verführung. Dass diese im Analogen besser funktioniert als im Digitalen, ist gar nicht so offensichtlich. Es geht hier nicht einfach darum, dass es nicht besonders prickelnd ist, wenn die letzte Frage lautet: zu youporn oder mirporn? Das Spiel zwischen Nähe und Distanz, das für die Verführung essenziell ist (für eine Zweitmeinung lesen Sie bitte die Bücher von Lou Paget), lässt sich online genauso gut, wenn nicht besser spielen. Eine vertraute, offene Atmosphäre lässt sich auch in der digitalen Welt herstellen. Was nur bei einem Glas Wein geht: gemeinsam lachen und im richtigen Moment den Arm des Gegenübers leicht anfassen. Wirkt Wunder. Zwei Menschen, wie erpicht sie auch sein mögen, werden sich bei einem Glas Wein immer näher kommen, als wenn sie gegenseitig das Netz auswerfen. </p>
<p>Kurzum: Wenn es darauf ankommt, greifen Sie zur Flasche!</p>
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		<item>
		<title>Lebe ich im Netz ewig?</title>
		<link>http://www.kurzbefehl.ch/lebe-ich-im-netz-ewig</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 04:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Tod ist eine binäre Operation. Die Lebendigkeit eines Menschen wechselt von 1 auf 0. Die ganze digitale Welt ist auf binären Operationen aufgebaut. Und doch hat diese eine, buchstäblich lebensverändernde, das Internet lange nicht interessiert. Der Tod seiner Nutzer war im Internet nicht vorgesehen. Das Internet ist dadurch aber nicht zum Paradies der Unsterblichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Tod ist eine binäre Operation. Die Lebendigkeit eines Menschen wechselt von 1 auf 0. Die ganze digitale Welt ist auf binären Operationen aufgebaut. Und doch hat diese eine, buchstäblich lebensverändernde, das Internet lange nicht interessiert. Der Tod seiner Nutzer war im Internet nicht vorgesehen. Das Internet ist dadurch aber nicht zum Paradies der Unsterblichen geworden, sondern vielmehr zu einem Kerker der Untoten.<span id="more-479"></span></p>
<p>Lebendige Menschen hinterlassen Spuren im Netz, die sie als tote nicht mehr beseitigen können. Zugangsdaten und Passwörter nehmen sie mit ins Grab. So können auch andere die Spuren nur schwer beseitigen. Wer schon in der Situation war, ein Mailkonto oder ein Facebook-Profil eines Verstorbenen löschen zu wollen, kennt die Hindernisse. Es fehlen die Standardabläufe, die eine Person nach ihrem Tod von ihren Verbindungen zur Welt lösen. Zivilamtseinträge, Bankkonten, Versicherungen, für all diese Dinge gibt es Regelungen, damit ein toter Mensch auch auf dem Papier aus dem Leben scheidet. Die virtuelle Persona aber lebt weiter.</p>
<p>Inzwischen haben verschiedene Unternehmen das Problem – und das Geschäft mit dem Tod – erkannt. So kann ich bei Legacylocker zu Lebzeiten gegen ein monatliches Entgelt alle meine Zugangsdaten und Passwörter deponieren und Vertrauenspersonen festlegen, die diese nach meinem Tod erhalten sollen. Wenn diese Personen bei Legacylocker meinen Tod bestätigen, werden die Daten freigegeben. Der digitalen Totenruhe steht dann nichts mehr im Wege. Ausser Google. Je länger, desto mehr finden sich von uns im Netz auch Spuren, über die wir selber keine Kontrolle haben. Dagegen hilft nur die Gelassenheit zu wissen, dass diese Spuren irgendwann von vielen neuen Spuren überdeckt werden. Und dass man selber die Erde dann ohnehin von unten sieht und sich um Irdisches nicht mehr allzu sehr kümmern muss. </p>
<p>Genau das Gegenteil, die virtuelle Unsterblichkeit, beabsichtigt der Service Death Switch. Während ich noch lebe, kann ich Nachrichten verfassen, die nach meinem Tod an bestimmte Personen verschickt werden. «Liebe Grüsse aus dem Jenseits» etwa oder «Ich vermisse euch auch» oder «Der Gärtner war’s!». Auch zum ersten, fünften oder zehnten Todestag kann ich eine Botschaft vorschreiben, die dann an mich erinnert. Im Umgang mit Death Switch ist allerdings Vorsicht geboten, der Dienst funktioniert über einen Totmannschalter. Wenn ich nicht alle drei Tage bestätige, dass ich noch lebe, werde ich für tot erklärt und der Newsletter from Hell wird verschickt. Wer sich eine digitale Auszeit gönnt (Siehe: «Wo kann ich mich von dem ganzen Technikwahnsinn erholen?») ist dann schneller virtuell tot, als ihm lieb ist.</p>
<p>Jeder hat seine eigenen Präferenzen zwischen virtueller Unsterblichkeit, digitaler Totenruhe und der Gleichgültigkeit eines Toten. Deshalb braucht es eine digitale Patientenverfügung. Solange wir leben und selber bestimmen können, sollten wir festlegen, wie mit uns umgegangen werden soll, wenn unser Körper tot, unsere virtuelle Persona aber noch lebendig ist. Analog zur medizinischen Patientenverfügung sollten wir in einem kurzen Dokument zu Handen von zwei Vertrauenspersonen festhalten, was mit unseren Profilen auf sozialen Netzwerken, unserer persönlichen Website und unseren E-Mail-Adressen geschehen soll. Damit jene Vertrauenspersonen, die nach unserem Tod unsere Zugangsdaten erhalten, auch wissen, was sie damit anstellen sollen. </p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<p>Ich plädiere für eine gepflegte virtuelle Unsterblichkeit. Eine Präsenz im Netz über den Tod hinaus, die aber den Tod erkennbar macht. Natürlich muss nicht bei jedem meiner Texte, die im Netz veröffentlicht sind, plötzlich stehen: Der Autor ist jetzt tot, imfall. Texte können für sich alleine stehen, ob der Autor nun lebt oder nicht.</p>
<p>Ich denke vor allem an soziale Netzwerke, die darauf angelegt sind, dass Menschen miteinander kommunizieren können. Bei Facebook beispielsweise würde sich der Tod ganz natürlich in den gewohnten Fluss einfügen. «David ist jetzt tot.» «David nimmt an Davids Beerdigung teil.» «David ist der Gruppe ‹Dieser Himmel ist ja schön und gut, aber wo sind meine 72 Jungfrauen?› beigetreten». Wenn es nach Facebook ginge, wäre der Tod eines Mitglieds tatsächlich nichts weiter als eine zusätzliche Profilinformation. Ort: Basel, politische Einstellung: liberal, Lebendigkeit: nein. Facebook sieht die Profile von Verstorbenen als Erinnerungsprofile, die deshalb nicht gelöscht werden. Natürlich ist es nicht an Facebook, dies zu entscheiden. Wer in seiner digitalen Patientenverfügung festhält, dass sein Profil gelöscht werden soll und sein Passwort nicht mit ins Grab nimmt, macht es den Hinterbliebenen einfach.</p>
<p>Falsch ist die Überlegung von Facebook aber keinesfalls. Im Gegenteil. Was spricht dagegen, auch nach seinem Tod inmitten seiner Freunde zu bleiben? Das Profil wird zum virtuellen Grabstein, ein Ort der Erinnerung für all jene, die sich an einen erinnern möchten. Anstatt an den Geburtstag werden die Freunde dann jährlich an den Todestag erinnert. Um Missverständnissen vorzubeugen, muss sich das Profil optisch von anderen unterscheiden. Und bestimmte Funktionen müssen deaktiviert werden, etwa damit der Verstorbene nicht weiterhin zu Partys eingeladen wird. Oder laufend «angestupst» wird.</p>
<p>Die Vorstellung, auf diese Weise nach dem Tod im Netz weiterzuleben, gefällt mir. Andere werden es geschmacklos oder unnötig finden. Chacun à son goût. Damit es so kommt, wie wir das wollen, braucht es die digitale Patientenverfügung.</p>
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		<title>Was muss ich über Facebook wissen?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 04:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Neben Google ist Facebook heute wohl der wichtigste Dienst im ganzen Internet. Google ist unser Synonym für das Suchen geworden und bietet eine ganze Palette von Arbeitsinstrumenten an. Facebook ist das Abbild unserer Identität im Netz und der Ort, wo wir mit Freunden und Bekannten online verbunden sind. Wenn wir sagen, dass wir im Netz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neben Google ist Facebook heute wohl der wichtigste Dienst im ganzen Internet. Google ist unser Synonym für das Suchen geworden und bietet eine ganze Palette von Arbeitsinstrumenten an. Facebook ist das Abbild unserer Identität im Netz und der Ort, wo wir mit Freunden und Bekannten online verbunden sind. Wenn wir sagen, dass wir im Netz leben und arbeiten, dann sind Facebook und Google die beiden Ankerpunkte.<span id="more-477"></span></p>
<p>Es gibt auf der ganzen Welt nur noch zwei Länder, China und Indien, die mehr Einwohner haben als Facebook. Mit über 500 Millionen aktiven Mitgliedern ist Facebook längst das grösste soziale Netzwerk im Internet. In der Schweiz sind knapp 2,5 Millionen Menschen angemeldet, in Deutschland über 11 Millionen. Island war Anfang 2009 das erste Land, in dem mehr als die Hälfte aller Einwohner ein Facebook-Profil hatte (heute gilt das neben verschiedenen Kleinststaaten auch für Norwegen, Singapur und Hongkong; Kanada, England und die USA dürften die 50-Prozent-Marke bald überschreiten). Auch altersmässig ist Facebook in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt heute bei 38 Jahren.</p>
<p>Die Zahl der Facebook-Verweigerer schrumpft stetig, in Industrieländern ist es in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 weniger als einer von zehn. Die meisten davon geben als Grund an, dass sie Facebook für Zeitverschwendung halten, für einen Marktplatz der Eitelkeiten, seltener, dass sie einer Firma nicht so viel Persönliches anvertrauen wollen. Was sie mit vielen angemeldeten Nutzern gemein haben: Sie wissen nicht besonders viel über Facebook. Die einen nutzen es einfach so, die anderen lehnen es einfach so ab. Doch Facebook ist zu wichtig geworden, als dass man einfach darüber hinwegsehen könnte. Wer es nutzt, sollte genau wissen, was er da tut. Wer es nicht nutzt, sollte sich einmal ernsthaft damit auseinandergesetzt haben. Und alle sollten erkennen, welche Tragweite das Phänomen Facebook für das Internet und unsere Gesellschaft hat.</p>
<h2>Facebook gehört Russen und Amerikanern, aber einer bestimmt alles.</h2>
<p>Hinter Facebook steht die Firma Facebook Inc. mit Sitz in Palo Alto in Kalifornien. Sie gehört zahlreichen Investoren sowie aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern. Grösster Anteilseigner mit 24 Prozent ist der 26-jährige Gründer und CEO, Mark Zuckerberg. Er kontrolliert drei der fünf Verwaltungsratssitze der Firma und hat damit die absolute Kontrolle über Facebook. Zehn Prozent der Firma gehören den kalifornischen Investoren Accel Partners, fünf der russischen Investmentfirma Digital Sky Technologies. Als erster Geldgeber von Facebook hat sich der amerikanische Technologie-Investor und Hedgefund-Manager Peter Thiel 3 Prozent der Firma gesichert; er gilt noch heute als graue Eminenz von Facebook und ist neben dem Berater Marc Andrees sen der wichtigste Einflüsterer von CEO Zuckerberg. Bekanntester Investor ist Software-Riese Microsoft, seit Oktober 2007 mit 1,6 Prozent an Facebook beteiligt.</p>
<h2>Facebook ist gekommen, um zu bleiben.</h2>
<p>Facebook ist kein kurzfristiges Phänomen. Immer wieder wird zwar darauf verwiesen, wie schnell sich die Masse im Netz bewegt und wie schnell ein beliebter Dienst aus der Gunst der Nutzer fallen kann. Facebook selber, 2004 gegründet, hat innert weniger Jahre die vormaligen Platzhirsche MySpace und Friendster verdrängt. Dass Facebook in naher Zukunft ein ähnliches Schick sal erleidet, ist unwahrscheinlich. Facebook ist viel stärker in die Nutzungsgewohnheiten und das soziale Leben der Menschen eingeflochten als jeder andere Onlinedienst davor. Das Beispiel Google zeigt, dass ein Anbieter im Netz dauerhaft dominant bleiben kann, wenn er zur Selbstverständlichkeit wird. Netzwerkeffekte binden die Nutzer zusätzlich an Facebook: Wer aussteigt, zahlt einen hohen sozialen Zoll. Hinzu kommt, dass Facebook bereits weit mehr ist als ein soziales Netzwerk und sich tief im Ökosystem des Internets verankert hat.</p>
<h2>Facebook ist ein Ankerpunkt im Netz.</h2>
<p>Facebook spielt im Ökosystem des Internets verschiedene wichtige Rollen. Alle hängen damit zusammen, dass auf Facebook mehr reale Menschen als irgendwo sonst im Netz miteinander interagieren. Facebook nimmt so eine bedeutende Rolle ein, wenn es darum geht, Besucherströme im Netz zu lenken. Indem Facebook-Nutzer Videos teilen, Websites verlinken und sich zu Marken und Produkten bekennen, dirigieren sie ihren Freundeskreis von durchschnittlich 130 Personen durch das Netz. Mit dem Empfehlungsprinzip überlagert Facebook seit April 2010 das gesamte Web. Nutzer können auf allen möglichen Websites Inhalte mit einem «Like» markieren und damit eine Empfehlung abgeben. Auf diese Weise werden Daten für eine menschliche Suchmaschine generiert: Wenn ich nach einem Hotel in New York suche, kann mir Facebook jene bevorzugt anzeigen, welche Freunde von mir mit einem «Like» ausgezeichnet haben. Wenn ich nach Informationen zur Französischen Revolution suche, liefert Facebook jene, die von vielen Nutzern als hilfreich markiert wurden. Eine wichtige Rolle kommt Facebook schliesslich als Identitätskarte im Netz zu. Viele Dienste im Netz ermöglichen ihren Nutzern, sich ohne separate Registrierung mit ihrem Face book-Profil einzuloggen, da dort alle nötigen Daten hinterlegt sind. Bis Facebook damit auch zu einem gängigen Zahlungsmittel im Netz wird, ist nur eine Frage der Zeit.</p>
<h2>Facebook wird sehr intensiv genutzt. Wie verrückt, um genau zu sein.</h2>
<p>Alle Nutzer zusammen verbringen pro Monat 700 Milliarden Minuten auf Facebook, das sind über 1 Million Jahre. Der Durchschnittsnutzer verbringt jeden Monat gut sechs Stunden mit Facebook. Er veröffentlicht dabei 90 Dinge und verbreitet 60 weiter. Weltweit gibt es nur noch eine Website, die öfter aufgerufen wird als Facebook, das ist Google. Und keine, auf der die Menschen mehr Zeit verbringen.</p>
<p class="promo"><img style="margin-right:10px;" src="/wp-content/themes/beaufort12/images/kurzbefehl_cover_small.jpg" alt="Kurzbefehl von David Bauer" title="Kurzbefehl von David Bauer"</img>Sie lesen einen Auszug aus dem Buch &laquo;Kurzbefehl. Der Kompass f&uuml;r das digitale Leben.&raquo; von David Bauer. Sie k&ouml;nnen das Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=108">jetzt bestellen</a>, <a href="/inhalt">weiterst&ouml;bern</a>, <a href="#respond">diesen Text kommentieren</a> oder <a href="/leserfragen">selber eine Frage zum digitalen Leben stellen</a>. Ah ja, und <a href="http://www.facebook.com/pages/Kurzbefehl/153524964680791">via Facebook weiterempfehlen</a> dürfen Sie es auch gerne.</p>
<h2>Facebook-Nutzer sind nicht eitel. Aber mitteilungsbedürftig.</h2>
<p>Wer sich bei Facebook anmeldet und nicht vorhat, dort eine Existenz als Karteileiche zu fristen, sollte gewillt sein, sich an dieser neuen Form von Austausch zu beteiligen. Es bringt wenig, selbstgefällige Statusmeldungen zu schreiben und mit Fotos die eigene Coolness zu zelebrieren. Die Zeit ist vorbei, als Online-Communities vom eigentlichen Leben losgekoppelte Spielwiesen für Alter Egos waren (Siehe: «Was macht die Technologie mit unserer Identität?»). Facebook ist das eigentliche Leben, einfach um die virtuelle Dimension erweitert. Wenn wir auf Facebook eitel erscheinen, dann liegt das daran, dass der Mensch an sich eitel ist. In der geballten und letztlich trotz allem noch ungewohnten Form auf Facebook fällt es einfach etwas mehr auf. In ein paar Jahren wird man dieses Verhalten nicht mehr als Eitelkeit bezeichnen, sondern als Offenheit. Wobei ein bisschen Eitelkeit nicht schadet. Etwa bei der Wahl des eigenen Profilbilds. Denken Sie daran, dass Ihre Freunde Sie um ein Vielfaches öfter auf Facebook sehen als in echt. Dieses Foto prägt das Bild, das andere von Ihnen haben, mehr, als Sie wollen. </p>
<h2>Facebook ist ein sozialer Nachrichtenradar. </h2>
<p>Per Algorithmus stellt uns Facebook ein Bulletin zusammen, in dem es uns auf dem Laufenden hält, was unsere Freunde tun und was sie umtreibt. Es bietet uns jene Art von Neuigkeiten, die uns interessieren, die aber kein Nachrichtenmedium bieten kann: Neuigkeiten aus unserem persönlichen Umfeld. Ich muss nicht danach fragen, muss nicht darauf antworten, ich bekomme alles en passant mit. Wenn mich etwas näher interessiert, kann ich darauf reagieren – mit einem «Like», einem Kommentar oder indem ich die Person direkt darauf anspreche, wenn wir uns das nächste Mal sehen. Auch die weite Welt findet in diesem persönlichen Nachrichtenstrom statt. Nach dem alten Prinzip «Hast du schon gehört?» werde ich von Freunden auf Wissenswertes von nah und fern hingewiesen. Wenn Sie den Newsfeed von Facebook dann noch um jene Personen bereinigen, die selten Interessantes von sich geben (indem Sie auf «Verbergen» klicken), erhalten Sie ein Nachrichtenprogramm, das ausgezeichnet unterhält und informiert. Und in das Sie sich jederzeit selber einklinken können.</p>
<h2>Statusmeldungen sind keine Selbstgespräche.</h2>
<p>Geht es nach Facebook, soll die Statusmeldung die Frage «Was machst du gerade?» beantworten. Das ist freilich selten interessant (in der englischen Version wird immerhin nach «What’s on your mind?» gefragt). In eine Statusmeldung gehört nur, was potenziell für andere interessant ist: Hinweise auf Fundstücke im Netz, wertvolle Tipps und Informationen, witzige Anekdoten und pointierte Kommentare zur Welt im Grossen und Kleinen. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, einzelne Statusmeldungen nur einem Teil Ihrer Freunde zu schicken. Stellen Sie sich beim Schreiben immer vor, Sie stünden vor alle Ihre Freunde und Bekannte hin und würden genau das sagen. Das bewahrt Sie nicht nur davor, Langweiliges und Belangloses von sich zu geben, sondern verhindert peinliche Kurzschlüsse.</p>
<h2>Privatsphäre bedeutet kritische Reflexion.</h2>
<p>Privatsphäre bedeutet nicht, dass man nichts von sich preisgibt. Facebook bietet Ihnen alle Möglichkeiten, sich zum gläsernen Menschen zu machen. Sie können anzügliche Ferienfotos veröffentlichen, Ihre Handynummer, Ihren Beziehungsstatus. Sie können Ihre politischen und religiösen Ansichten öffentlich machen, Ihre Vorliebe für Arztromane und Vampirfilme und Sie können via Statusmeldungen den täglichen Seelenstriptease praktizieren. Das kann alles seinen Sinn haben und Ihnen in irgendeiner Form weiterhelfen. Überlegen Sie sich aber bei jeder Information, die Sie auf Facebook deponieren, welchen Nutzen Sie effektiv davon haben, und kontrollieren Sie über die Privatsphäre-Einstellungen, wer was zu sehen bekommt und was Facebook damit anstellen darf. (Siehe: «Was weiss Facebook über uns?»)</p>
<h2>Der Freundeskreis auf Facebook will gut kuratiert sein.</h2>
<p>Seien Sie selektiv bei der Auswahl Ihrer Facebook-Freunde. Nicht jeder, dem Sie mal virtuell oder sonstwie über den Weg gelaufen sind, muss Aufnahme finden in Ihren virtuellen Freundeskreis. Dafür gibt es E-Mail. Nutzen Sie ausserdem die Möglichkeit, Ihre Kontakte in verschiedene Listen zu gruppieren. So können Sie Sachen auf Facebook veröffentlichen, die aber nur ein Teil Ihrer Kontakte zu sehen bekommt. Entscheidend ist schliesslich, dass Sie Ihre Kontaktliste regelmässig kuratieren. Nur so behalten Sie den Überblick, wer gerade wie intensiv an Ihrem Leben teilhaben darf. Verschieben Sie bei Bedarf Leute in andere Listen oder verbannen Sie sie ganz aus Ihrem Facebook-Freundeskreis. Aber Achtung: Letzteres wird mitunter als drastischer Schritt wahrgenommen. Werfen Sie niemanden raus, dem Sie nicht erklären könnten, warum.</p>
<h2>Facebook verdient kein Geld. Noch nicht.</h2>
<p>Im September 2009 konnte die Firma bekannt geben, dass sie erstmals gleich viel einnimmt wie ausgibt. Als nichtöffentliche Firma muss Facebook keine Geschäftszahlen veröffentlichen, es existieren deshalb nur Schätzungen darüber, wie viel Geld Facebook einnimmt. Gemäss dem Wirtschaftsjournalisten David Kirkpatrick, dem vielleicht bestinformierten Facebook-Experten, hat die Firma 2009 rund 500 Millionen Dollar umgesetzt, 2010 sollen es 800 Millionen sein, andere Experten rechnen mit bis zu einer Milliarde (zum Vergleich: Google nahm 2009 rund 24 Milliarden ein, Nestlé rund 108 Milliarden). Über vier Fünftel seiner Einnahmen erzielt Facebook mit Werbeeinblendungen auf den Nutzerprofilen. Einen kleinen, aber wachsenden Anteil trägt der Verkauf von virtuellen Gütern bei. Aufgrund seiner riesigen Nutzerschaft und einer Datensammlung, die ihresgleichen sucht, wird Facebook zugetraut, in Zukunft deutlich mehr Geld zu verdienen. Das hoffen nicht zuletzt die verschiedenen Investoren, die zusammen bisher über 830 Millionen Dollar in Facebook gesteckt und die Firma dabei mit bis zu 15 Milliarden bewertet haben. </p>
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