Leben und Überleben

Wie halte ich eine fatal fehlgeleitete Nachricht auf?


Würde Shakespeare noch leben, er fände den Stoff für seine Stücke in Situationen wie diesen. Die grossen Tragödien der digitalen Zeit beginnen mit einer Nachricht, die, anders als bei Romeo und Julia, den Empfänger rechtzeitig erreicht, allerdings den falschen.

Es braucht einen kleinen Moment der Unachtsamkeit nur, und das Unheil nimmt seinen Lauf, sprintenderweise. Da beichtet man seinem besten Freund, dass man fremdgegangen ist. Und schickt das SMS an die betrogene Ehefrau. Man lästert im Skype-Chat mit einem Kollegen über einen gemeinsamen Bekannten. Und tippt das vernichtendste Urteil ins falsche Chat-Fenster. Wo man mit besagtem Bekannten gerade einen Termin vereinbart. Oder man antwortet dem Arbeitskollegen, der die Einladung zum Firmenessen verschickt hat, dass man sich schon darauf freue, sich auf Firmenkosten die Kante zu geben und den hässlichen Hund des Chefs zu vergiften. Und erwischt die Funktion reply to all.

Wir alle haben solche unangenehme Momente schon erlebt. (Sie nicht? Dann haben Sie es einfach nicht gemerkt. Immerhin wissen Sie nun, warum Ihr letzter Partner Sie aus heiterem Himmel verlassen hat. Bitte, gern geschehen.)

Kurzbefehl von David BauerSie lesen einen Auszug aus dem Buch «Kurzbefehl. Der Kompass für das digitale Leben.» von David Bauer. Sie können das Buch jetzt bestellen, weiterstöbern, diesen Text kommentieren oder selber eine Frage zum digitalen Leben stellen. Ah ja, und via Facebook weiterempfehlen dürfen Sie es auch gerne.

Ein Glück, gibt es ein einfaches Patentrezept, wie man auf solche Malheurs reagiert. Gegeben sei also die Situation, dass Sie gerade eine delikate Nachricht an die falsche Person (oder eine ganze Belegschaft falscher Personen) verschickt haben. Sie haben das gerade realisiert, zu spät freilich. Wenn Sie tauschen könnten, würden Sie nun lieber im Antilopenkostüm in einem Löwenkäfig sitzen. Folgendes ist zu tun: Sie reissen sich das Hemd von der Brust, reissen das Fenster auf, strecken einen Arm mit geballter Faust aus. Dann fliegen sie mit doppelter Lichtgeschwindigkeit davon, stürzen alle Mobilfunkantennen um, verknoten die Internet-Tiefseekabel und schliessen sämtliche Hochspannungsleitungen kurz. Die Nachricht wird ihr Ziel nie erreichen. Fliegen Sie zurück und tun Sie, als wäre nichts gewesen.

Sollte dieses Standardvorgehen einmal aus irgendwelchen Gründen nicht durchführbar sein, müssen Sie improvisieren. Konkret heisst das: Sie sind geliefert. Sie können jetzt entweder demütigst zu Kreuze kriechen. Oder sich direkt ins Schwert stürzen. Shakespeare hätte seine Freude daran. So oder so.

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Diskussion

  1. 1 CarolinN
    22.11.2010, 17:12 Uhr, Link

    Na, toll, da hofft auf man die erlösende Antwort auf eine uns alle quälende Antwort – und dann so was. Pfui, wie du mit unseren Hoffnungen spielst. ;)

  2. 2 Smallworld
    23.11.2010, 10:17 Uhr, Link

    eine gute alternative zu meinem standardprozedere in solchen fällen. sobald ich so einen irrtum bemerkt habe, veröffentliche im web sofort alle meine passwörter zu e-mail, facebook, twitter, … und täusche einen hack vor. leider musste ich mir inzwischen so viele identitäten zulegen, dass ich nicht mehr so genau weiss, wer ich bin. aber das war vorher irgendwie auch nicht anders ;-)


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